Seit dem Sommer 2023 erfüllt sich GÄRTNER GRAF einen lang gehegten Wunsch. Im Toggenburg hat er ein Stück Land gekauft und kann seinen ersten eigenen Garten gestalten. Begleite ihn bei Planung, Bau, Pflege und Weiterentwicklung.
Ein Garten entsteht
GÄRTNER GRAF pendelt seit jeher zwischen Stadt und Land. Er ist ein bekennender Urbanist, liebt das pulsierende Leben und die Kultur, stand beruflich aber immer draussen in seiner Staudengärtnerei. Bis zu dem Moment, als er sie verkaufte.
Nun brauchte er neuen Boden unter den Füssen. Ein Refugium, in dem er sich entfalten konnte. Ein Ort zum Gärtnern, Gestalten und Experimentieren, am liebsten weit weg von der Zivilisation. Nach einer Suche quer durch die Schweiz fand er ein Stück voralpines Land im Toggenburg, direkt an ein Naturschutzgebiet grenzend.
Hier wird nun geplant, ausprobiert, verworfen und wieder neu gedacht. GÄRTNER GRAF nimmt dich mit auf diese Reise und erzählt von seinen Erfahrungen und all den Überraschungen, die dieses Projekt bereithält.
2025
April 2025
Neben der Ästhetik zählt für mich vor allem, dass der Garten lebt und etwas bringt. Ich möchte möglichst viele Arten fördern und mich gleichzeitig von dem ernähren, was hier wächst.
Auf über tausend Metern über Meer hilft jeder Trick, um die Saison zu verlängern und die Pflanzen schneller voranzubringen. Frühbeetkästen wirken da wahre Wunder. Weil ich aber kein Plastik im Garten haben will, baue ich sie aus Holz und setze ausgediente Frühbeetfenster aus einer Gärtnerei wieder ein.
April 2025
Mein Grundstück bietet eine wunderbare Sicht in die Bergwelt. Ich möchte diese besonderen Ausblicke betonen und zugänglich machen.
Ein besonderer Platz liegt zwischen dem Gemüsegarten und einer Baumgruppe. Von dort reicht der Blick frei zum markanten Berg Speer. Die Bäume spenden Schatten und machen den Ort ideal zum Ausruhen. Deshalb lasse ich an dieser Stelle ein Holzdeck mit Stahlrahmen bauen.
August 2025
Bei meinen zahlreichen Gartenbesichtigungen habe ich erkannt, dass meinem Wegenetz ein entscheidendes Stück fehlt. Hinter dem Haus gibt es keine Verbindung, die einen Rundweg ermöglicht.
Gemeinsam mit einem Freund bauen wir in drei Tagen eine lange Treppe und erweitern zugleich mit zwei Natursteinmauern den kleinen Platz vor meinem Büro.
«Ein guter Gärtner weiss, dass Beobachtung wichtiger ist als Eingreifen.»
Hugh Johnson
2024
März 2024
Da das Bauprojekt im Budget geblieben ist, kann ich einige Gartenwünsche doch realisieren. Inzwischen hat sich gezeigt, dass der Sitzplatz häufig genutzt wird. Deshalb entscheide ich mich, die ursprünglich geplante Pergola doch zu bauen.
Ihre Rückwand besteht aus einem groben Drahtgitter, das die Clematis bewachsen werden. So entsteht ein schattiger Raum mit wunderschöner Aussicht.
März 2024
Unterhalb der Pergola setze ich die ersten Stauden. Der Boden ist mineralisch und dadurch gut durchlässig. Da der Hang nach Süden ausgerichtet ist, wähle ich Arten, die Sonne und Trockenheit gut vertragen.
Ich säe auch kurzlebige Arten aus und werde heimische Wildarten bewusst zulassen. Die Pflanzarbeiten sind mühsam, da der Boden hart ist und das Wetter nasskalt.
((Video folgt))
April 2024
An Ostern besucht mich mein Vater, der selbst Gärtner ist. Gemeinsam pflanzen wir die ersten Kartoffeln – mein erstes eigenes Gemüse an diesem Ort.
Es ist ein schönes und emotionales Erlebnis. Wegen des nassen Sommers wird das Kraut früh krank und ich entscheide mich für eine vorzeitige Ernte. Die Kartoffeln bleiben klein, schmecken aber hervorragend, wie es bei selbst angebautem Gemüse eben ist.
April 2024
Ein Sitzplatz ohne Möbel ist kein Sitzplatz. Ich wähle ein modernes Design und greife auch farblich mutig zu. Das Pink passt perfekt zum Farbkonzept der Stauden und zu den Blütenfarben der Clematis und Kletterrosen an der Pergola.
September 2024
Mit dem Wegebau habe ich mir bewusst Zeit gelassen. Die Wege sind intuitiv entstanden, dort, wo ich immer entlang gegangen bin. Diese Fusspfade werden nun sanft ausgebaut und mit Stahltreppen ergänzt, wo es nötig ist.
Auch die neuen Brunnen bestehen aus Schwarzstahl und rosten schnell. Sie sind an das unterirdische Regenwasserbecken angeschlossen und versorgen den Gemüsegarten.
Oktober 2024
Zwischen Wohnhaus und Felsen liegt eine feuchte, teils nasse Fläche, die meist im Schatten liegt. Der Boden ist hier noch im ursprünglichen Zustand und entsprechend humos.
Dies ermöglicht den Einsatz anderer Pflanzenarten. Ich entscheide mich für ein wenig dynamisches Konzept. Aufgrund des nassen Bodens ist die Pflanzung anspruchsvoll.
«Der Garten ist der letzte Luxus unserer Tage, denn er fordert das, was in unserer Gesellschaft am kostbarsten geworden ist: Zeit, Zuwendung und Raum.»
Dieter Kienast
2023
Juni 2023
Endlich kann es im Garten losgehen. Unterhalb des Felsens am Grundstücksrand haben sich Liguster weit in das Naturschutzgebiet ausgebreitet. In Absprache mit dem Besitzer lasse ich die Sträucher mit einem Kleinbagger entfernen.
So bleibt das wertvolle Flachmoor erhalten und ich habe freie Sicht auf die schützenswerte Vegetation. Anschliessend beginnen wir mit der Geländeformung: Böschungen, kleine Plätze und Wege nehmen Gestalt an.
August 2023
Die Mauern sind gebaut, doch es gibt noch eine massive Mauer zu viel. Sie ist für den Bauinstallationsplatz errichtet worden und wird nun in Stücke geschnitten und abgeführt. Der Garten hat nun seine Form erhalten. Nach Diskussionen mit vielen Berufskolleg:innen habe ich mich entschieden, den wertvollen Oberboden mit einem höheren Humusanteil sowie vielen Wildblumensamen nicht über das gesamte Grundstück zu verteilen. Ich befürchte, dass er in den steilen Böschungen erodieren würde und deshalb wird er auf den Flächen, verteilt, die für den Gemüseanbau vorgesehen sind.
Oktober 2023
Jetzt beginnt der schönste Teil: das Pflanzen. In meinem Garten sollen fast nur Gehölze wachsen, die entweder einheimisch sind oder essbare Früchte tragen. Dazu setze ich verschiedene Wildrosen, deren Blüten und Hagebutten besonders dekorativ sind.
Ausserdem pflanze ich in dieser ersten Phase rund tausend Narzissen.
«Pflege ist eine Form von Wissen, nicht nur von Arbeit.»
Robin Wall Kimmerer
2022
Mai 2022
Der Krieg in Europa verteuert und verknappt Baumaterial. Lieferketten sind gestört, die Pandemiepolitik in China verschärft die Situation. Die Kosten steigen, der Baubeginn verzögert sich.
Ich stelle mir grundlegende Fragen: Will ich dieses Haus wirklich? Ist dieser abgelegene Hang der richtige Ort? Reicht das Geld? Nachdem mir die Bank Sicherheit gibt und meine Familie mich unterstützt, erteile ich die Baufreigabe. Der Start verzögert sich um etwa zwei Monate
Dezember 2022
Mein Mut, antizyklisch zu bauen, zahlt sich aus. Viele Arbeiten kann ich unter dem Kostenvoranschlag vergeben, da zahlreiche Projekte aufgeschoben werden und Handwerker nach Aufträgen suchen.
Die Teuerung bleibt in der Schweiz moderat und weltweit entspannt sich die Lage. Materialien sind wieder lieferbar. Auch das Wetter spielt mit. Der Winter bleibt aus und die Baustelle bleibt bis kurz vor Weihnachten aktiv. Ende Jahr sind der Rohbau und die Gebäudehülle fertig. Ein Meilenstein ist erreicht.
«Wer mit seinem Garten schon zufrieden ist,
Karl Foerster
hat ihn nicht verdient.»
2021
Januar 2021
Bisher habe ich das Projekt vor allem technisch betrachtet, und das Team besteht ausschliesslich aus Männern. Für die letzte Planungsphase wünsche ich mir einen anderen Blickwinkel und ziehe eine Innenarchitektin bei.
Ihre Fragen sind grundlegend: Wie lebst du? Was brauchst du, um dich wohlzufühlen? Die Antworten helfen bei der Wahl von Farben und Materialien. Auch für die spätere Gartengestaltung stelle ich mir die gleichen Fragen.
Ende März 2021
Auf dem Papier haben sich all meine Wünsche erfüllt. Mir ist bewusst, dass sich manches noch ändern wird. Geplant habe ich einen Sitzplatz mit Pergola für gemeinsame Stunden mit Familie und Freunden. Einen Gemüsegarten mit Gewächshaus, um mich weitgehend selbst zu versorgen. Und ein kleines Schwimmbecken für die Erholung nach getaner Arbeit.
April 2021
Ich halte die Nachbarn von Beginn an auf dem Laufenden und stelle bei Interesse das Bauprojekt persönlich vor. Für die Baugrube benötige ich von zwei Nachbarn ein Ankerrecht. Zudem können wir den ursprünglich zugesagten Bauinstallationsplatz nicht nutzen. Dadurch wird es eng auf der Baustelle und die Strasse häufiger blockiert.
Die Unzufriedenheit wächst, doch niemand erhebt Einsprache. Die Baukommission bewilligt das Projekt mit kleineren Auflagen. Ich entscheide mich zum Kauf.
Mitte August 2021
Die Baubewilligung verzögert sich, weil der Gemeinderat selten tagt und viele andere Geschäfte Vorrang haben. Ich bleibe gelassen, da der Baubeginn erst im kommenden Frühjahr geplant ist. Die Baukommission hat positiv entschieden, das macht mich zuversichtlich.
Nach langem Warten trifft die Bewilligung ein – ohne zusätzliche Auflagen.
September 2021
Je mehr ich mich auf mein neues Zuhause freue, desto schlechter wird die Stimmung bei den Nachbarn. Sie finden, dass das Haus zu gross sei und nie hätte bewilligt werden dürfen.
Gleichzeitig wird klar, dass sich einige meiner Wünsche aus Kostengründen nicht realisieren lassen. Ich verzichte auf die Pergola, das Gewächshaus und den Pool. Vom ursprünglichen Gartenkonzept bleiben nur die Mauern.
Das frustriert mich, doch ich erkenne auch eine Chance: In der späteren Gartengestaltung kann ich freier entscheiden.
«Pflanzen lehren uns Demut; sie reagieren auf Bedingungen, nicht auf Absichten.»
Michael Dirr
2020
Mitte Juli 2020
VIDEO: GOOGLE EARTH
Die ersten Schritte zu einem schönen Garten beginnen mit der Wahl des richtigen Grundstücks und einer durchdachten Planung. Während meiner langen Suche entdecke ich im Internet ein Grundstück im Toggenburg. Es erfüllt alle Vorgaben bezüglich Erreichbarkeit, Erschliessung, Grösse und Preis. Dennoch springt der Funke nicht sofort über.
Ich muss zugeben: Meine Erwartungen sind hoch. Ich suche nicht nur Land, sondern eine neue Perspektive. Einen Ort, der meine alte Gärtnerei ersetzen kann.
Anfang August 2020
Obwohl die Fotos keine Begeisterung auslösen, möchte ich mir das Grundstück ansehen. Die scheinbar endlose Fahrt vorbei an Ferienchalets dämpft meine Stimmung zusätzlich. Doch kaum steige ich aus dem Auto, bin ich überwältigt von der rauen Bergwelt, dem Blick auf den Säntis und der tiefen Ruhe.
Auf dem Grundstück liegt ein grosser, überwucherter Felsen, und gleich daneben schmiegt sich ein Flachmoor in die Ebene. Sofort erkenne ich das Potenzial. Aus diesem verwilderten Stück Land kann ein aussergewöhnlicher Garten entstehen.
Mitte August 2020
Ich habe mich verliebt, aber naiv bin ich deshalb nicht. Ein Garten an diesem Hang ist eine spannende Herausforderung. Doch wie sieht es mit einem Haus aus?
Über Nacht notiere ich meine Wünsche für mein neues Zuhause und erstelle ein erstes Raumkonzept. Ich beauftrage ein Architekturbüro aus der Region, weil ich jemanden brauche, der mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut ist. Das Ergebnis: Ein Haus, das meinen Vorstellungen entspricht, ist laut dem Architekten machbar.
September 2020
Meine Skepsis bleibt. Das Grundstück liegt in einem alten Felssturzgebiet. Im Geoportal des Kantons St. Gallen studiere ich alle Gefahrenkarten gründlich. Sie geben Entwarnung. Trotzdem lasse ich ein geologisches Gutachten erstellen.
Der Boden bildet schliesslich die Grundlage für Haus und Garten. Wie ist er aufgebaut? Kommt bald Fels zum Vorschein? Gibt es Hangwasser? Der Bericht zeigt Risiken auf, aber auch, wie man sie entschärfen kann.
Mitte Oktober 2020
Da mir der Garten wichtiger ist als das Haus, soll sich das Gebäude in die Landschaft einfügen und nicht umgekehrt. Ich kontaktiere einen Landschaftsarchitekten und erzähle ihm von meinem Projekt. Er entwickelt ein Grundkonzept, das meinen Ideen entspricht.
Beim ersten Treffen der beiden Architekten wird das Hausprojekt überarbeitet. Das Gebäude soll harmonischer in die Umgebung passen.
Ende Oktober 2020
Die Planung ist weit fortgeschritten, doch ich bin noch nicht bereit, das Grundstück zu kaufen. Ein Kaufrechtsvertrag verschafft mir ein halbes Jahr Aufschub. Vor dem endgültigen Kauf möchte ich die Baubewilligung in den Händen halten und die Nachbarn kennenlernen.
Ein schönes Haus nützt wenig, wenn das nachbarschaftliche Verhältnis von Anfang an schwierig ist. Alle reagieren freundlich auf mein Schreiben – eine weitere wichtige Voraussetzung ist erfüllt.




































































































































































































